Mittwoch, 10. Dezember 2008

Mein Gesicht kann tolle Sachen

Ich bin seit genau 10 Tagen privat versichert. Eigentlich fühlte ich mich nie richtig benachteiligt. Außer, wenn ich zeitgleich mit dem Herrn K-Punkt krank war und er nur ins Telefon hüsteln musste und sofort beim Onkel Doc auf die Liege durfte, während ich dem Tode nahe in den Hörer röcheln musste, um überhaupt in der gleichen Woche noch eine Audienz bei der weißen Heiligkeit zu bekommen. Aber ich will mich nicht beschweren. Die AOK hat wochenlang versucht, mich den Fängen der privaten Krankenkasse zu entreißen (klar, die wollten auf meine knapp 600 Euro im Monat auch nicht verzichten), aber ich bin stark geblieben und nun -wie es sich für eine Selbstständige gehört- privat versichert. Blöd ist nur, dass die Selbstbeteiligung von 600 Euro pro Kalenderjahr berechnet wird. Ach, ich werd schon nicht krank in den 31 Tagen, die der Dezember hat, hab ich mir gedacht. Tja, falsch gedacht.
Bis gestern abend dachte ich, ich hätte einen Lymphknoten auf meinem Unterkieferknochen, der je nach Gesundheitszustand, Stimmung, Wetter, Tabellenstand der Alemannia größer oder kleiner wird. Gestern abend hatte er einen neuen Höchstwert erreicht und schmerzte außerdem extrem. Also hieß es heute morgen, ab zum Onkel Doc. Ich musste am Telefon noch nicht mal peinlicherweise sagen: Ähm, ich bin jetzt privat versichert. Sondern ich bekam pronto einen Termin beim Kollegen von meinem Hausarzt.
Der hat dann mal auf dem Knoten rumgedrückt und sagte: "Wer hat Ihnen denn erzählt, dass das ein Lymphknoten ist?"
"Naja, der Arzt, der mit Ihnen die Praxis teilt.."
"Nee, das ist doch kein Lymphknoten. Da hab ich noch nie einen gesehen. Das ist ein Speichelstein."
Wumm, das saß. Ein Speichelstein. Ich habe einen Speichelstein mitten im Gesicht. Und weh tut er auch noch.
Da mein Doc keine Anstalten macht, mir irgendwas zu erklären, mache ich den ersten Schritt.
"Was ist denn bitte ein Speichelstein?"
Es folgt eine Erklärung, die ich mir eben noch mal per Wikipedia habe deuten lassen. Meine Spucke ist irgendwie manchmal anders als andere und dann entstehen so was wie Verstopfungen und die werden irgendwann fest und werden zu Steinen. Muss man aber nicht mehr operieren, sondern man kann sie per Ultraschall in die Luft sprengen. Tolle Vorstellung so ein kleines Feuerwerk in meinem Kiefer. Und es bleiben auch nur in ganz seltenen Fällen Gesichtslähmungen zurück.
Als Therapie muss ich jetzt Iboprofen nehmen. Von einer Tablette schlafe ich immer drei Tage am Stück. Super Sache, wenn man noch 90 Minuten texten muss... Dann habe ich eine Salbe bekommen, die sieht aus wie Schlamm, hat meine gesamte Kleidung von heute eingesaut und wird nach drei Minuten im Gesicht zu Beton. Wenn wir hier ausziehen und hässliche Löcher in den Wänden haben, muss ich auf jeden Fall kein Silikon kaufen. Wir nehmen die Schlammsalbe zum verspachteln.
Außerdem muss ich jetzt lauter Sachen essen, die meinen Speichelfluss anregen. Saure Drops und so´n Zeug. Ich habe es heute mit Glühwein und sauren Zungen vom Weihnachtsmarkt probiert. Mein Magen tanzt seitdem mit meiner Speiseröhre ChaChaCha.
Was ich mich jetzt frage: Wenn es jetzt noch November gewesen wäre und ich nicht privat versichert, hätte ich dann immer noch einen Lymphknoten oder doch schon einen Speichelstein?

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Taxi ins Nirgendwo

Gestern Nacht irgendwo in München. Ich gehe eine Seitenstraße entlang und hoffe, dass ein Taxi meinen Weg kreuzt. Und das Wunder geschieht. Ein Taxi fährt ein ganzes Stück entfernt an meiner Straße vorbei und geht tatsächlich auf die Bremse, als ich meinen Arm nur ganz leicht hebe. Folgende Unterhaltung spielte sich dann ab.

Ich: Hallo. Zur Leonrodstraße bitte,
Er: Okay. Und? Wie war Abend?
Ich: Och, ganz nett. Mal wieder ein Wein zuviel. Sonst super. Ist ja ein Wunder, dass Sie mich eben gesehen haben, weil ich ja ganz schön weit weg war.
Er: Ja, weiß' du, isch gucke immer in Straße, weil isch hab hier Fahrradfahrerin gepresst.
Ich: Was haben Sie?
Er: Na, gepresst. Macht Bumm und dann überfahren.
Ich: Oh, das ist ja nichts so schön.
Er: Naja, weiß' du, isch hab 95 Sachen gehabt.
Ich: Was für Sachen?
Er: Na, 95 Sachen in Stunde.
Ich: Oh, das ist schnell. Ist ja Innenstadt hier.
Er: Ja, hab isch aber Polizei erzählt, hab nur 55 Sachen.
Ich: Und das haben die geglaubt?
Er: Klar. Hab isch escht überzeugt.
Ich: Glückwunsch. Und die Radfahrerin?
Er: Na, ist 30 Meter durch Luft geflogen.
Ich: Hat sie das überlebt?
Er: Erster Notarzt nicht, aber zweiter.
Ich: Wie? Der Notarzt ist auch gestorben??
Er: Nee, hat die so geholt wieder so zuruck auf Erde.
Ich: Oh. Da haben Sie aber Glück gehabt.
Er: Ja. Hab ich Polizei escht überzeugt, sonst Führerschein weg.

Okay, das meinte ich jetzt nicht, aber ich lasse das so im Raum stehen, weil ich mit der Flachpfeife nicht länger unnötig reden möchte.
Wir halten plötzlich auf einer Straße, die mir völlig unbekannt vorkommt.

Ich: Wieso halten wir?
Er: Sind da.
Ich: Nein, ganz sicher nicht. Die Straße habe ich noch nicht gesehen. Das ist nicht die Leonrodstraße.
Er: Doch. Da Hotel.
Er zeigt auf ein stinknormales Wohnhaus.
Ich: Nein, ich bin ganz sicher. Außerdem ist das kein Hotel.

Er fährt ein paar Schritte weiter vor und zeigt triumphierend auf ein Straßenschild, auf dem tatsächlich Leonrodstraße steht.

Ich: Wir sind aber schon noch in München, oder?
Er: Ja, du hier wohnen.
Ich: Nein.
Er: Du eben selber gesagt, du hast Wein zu viel getrunken.

Langsam werde ich sauer.

Ich: Würden Sie bitte weiterfahren und mein Hotel suchen?

Er fährt motzend weiter. Die Straße kommt mir immer bekannter vor und in weiter Ferne ist mein Hotel zu sehen.

Ich flüchte schnell ins Hotel, weil ich plötzlich Schiss habe, dass er mich auch pressen will. Trinkgeld gab´s übrigens diesmal nicht.

Montag, 1. Dezember 2008

Zitat der Woche

Protagonistin: "Ich hab meinen Rauchkonsum während der Schwangerschaft schon ganz dramastisch runter gesteigert!"

Samstag, 29. November 2008

Ich brauch neue Visitenkarten

Heute in die Rubrik "lustige Bezeichnungen für meinen Job" ein besonderes Highlight.
Protagonist: "Sach ma', wie heißt dat, wat du da machs'?"
Ich: "Naja, ich bin Autorin, aber ich schreib eigentlich gar nicht so viel. Also nur das Konzept und dann drehe ich und schneide das Ganze."
Protagonist: "Aha."
Er schaut sehr nachdenklich aus dem Fenster.
Protagonist: "Hmm. Ich hätte jetzt gesagt, du bist so wat wie so'n...naja, wie so'n Animiermädchen."
Nachdem ich in den letzten Wochen "Kabelträgerin", "Regieassistentin" und "du-da-mit-dem-Klemmbrett" genannt wurde, ist das mein persönlicher Tiefpunkt.

Mittwoch, 5. November 2008

Splish Splash

Seit Freitag haben der Herr K-Punkt und ich Probleme mit dem Magen. Und zwar nicht zu knapp. Nachdem wir essenbedingte Ursachen ausschließen konnten und auch keinen Kontakt mit konterminierten Personen hatten, waren wir bis gestern Abend ziemlich ratlos. Doch dann kam die Erleuchtung: seit letzter Woche riecht das Wasser aus dem Hahn ziemlich komisch. Erst roch es modderig wie am Elisenbrunnen, dann Ende er Woche schwang plötzlich ein chloriger Geruch mit, der unserem Badezimmer ein bisschen Hallenbadathmosphäre verlieh. Nach ein paar schmissigen Googlern wie "stinkendes Wasser Aachen" oder "Infektion durch Trinkwasser in Aachen" hatten wir dann die Bestätigung: Seit letzter Woche gibt es wohl wassertechnisch einige Probleme in Aachen, die ein paar kluge Stawag-Angestellte mit Chlor wieder gut zu machen versuchen. Klappt allerdings nicht so ganz. Bei meinen Recherchen bin ich allerdings darauf gestoßen, dass 25% der Trinkwasserproben Fäkalienrückstände beinhalten... Da ich nach dieser Info das Bedürfnis hatte, jemanden von der Stawag in Grund und Boden zu brüllen, hab ich bei dem Verein gerade mal angerufen und warte seitdem auf den Rückruf. Ich werd jetzt erst mal unseren WasserMax entsorgen.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Ruhrpott De Luxe

Am Wochenende im VIP-Bereich der Arena in Duisburg:
Ein junger Mann und seine Freundin sitzen beim Essen neben uns am Tisch. Wir haben Drehpause, das heißt, ich will nicht reden, nicht denken und auch anderen Menschen nicht bei eben diesen Dingen zuhören. Ich muss aber, denn die aufgebrezelte, mit billigem, goldenen Modeschmuck behangene Ruhrpott-Tussi hat ein extremes Mitteilungsbedürfnis, dem auch wir uns nicht entziehen können.
Sie spricht wie ein Maschinengewehr. Das habe ich früher schon über andere Menschen gesagt, jetzt bekommt der Spruch eine völlig neue Bedeutung.

Sie: "WennwirinMünchensindmüssenwirinsHofbräuhausgehen."
Er: "...Äh...okay."
Sie: "DamussmannämlichhinwennmaninMünchenist."
Er: "...Äh...okay."
Sie: "AberdamitmandahinkannmusstdumirersteineHermestaschekaufen."

Ich denke: "Was um alles in der Welt ist eine Hermes Tasche? Ist das so ein Plastikteil, das der Versandhausbote immer bringt?" Dann schnalle ich es: Sie meint eine Hermés-Tasche [ɛʀˈmɛs-tasche].

Er: "...Äh...naja...die sind bestimmt teuer, oder?"

Ich denke: Teuer ist relativ. Für deine Begleitung ist teuer schon ein Einkauf bei H&M statt bei Kick. Und eine Hermés-Tasche -also die schönen- fangen bei 5.000 Euro an. Wie kriegt noch mal der normale Hartz IV- Empfänger?

Sie: "DasgehtschonohmeineMutterruftgradanMussrangehen."

Dann fängt sie an, mit ihrer Mutter zu sprechen. Ich glaube, sie will mit diesem Telefonat ins Guinessbuch. Sie schafft es, so unfassbar viele Infos rauszuhauen, dass mir nach zwei Minuten schwindelig ist. Ich fange mich wieder, indem ich ans Nachspeisenbuffet flüchte. Als ich zurückkomme, wird es gerade spannend.

Sie: "UndderFlowillmireineHermestaschekaufenIstdasnichttoll???"

Flo schaut plötzlich ganz hektisch. Er ahnt wohl, dass das hier in die falsche Richtung läuft.

Sie: "JadasfindeichauchtotalsüßvonihmAbersoisterjaImmertotalgroßzügig."

Flo schaut jetzt nicht mehr großzügig, sondern sehr sparsam aus der Wäsche.

Wir müssen jetzt leider weiter drehen. Vom Fußballspiel hat der arme Flo übrigens gar nichts mitbekommen. Er saß noch am Ende der zweiten Halbzeit vor seiner Schießbuden-Freundin und hat sich beschallen lassen. Und weil er ihr immer so lieb zuhört, darf er ihr auch eine Hermés-Tasche schenken.

Samstag, 18. Oktober 2008

Komm mit mir ins Abenteuerland

Meine große, einzig wahre, jedoch sehr unglücklich endende Teenager-Liebe Hartmut hat -laut Bild- unter schweren Depressionen und Alkoholproblemen gelitten. O-Ton vom Manager: "Am frühen Morgen standen zwei leere Weißweinflaschen auf dem Tisch!"
Es ist wirklich unfassbar, aber der ist wirklich noch zu spießig, um ganz gepflegt abzustürzen.